Autobahn-Oasen Teil II (oder: nur Bares ist Wahres)

3 09 2008

Und schon geht’s weiter. Oops: habe ich die Pointe schon gleich im Titel vorweggenommen? Tja… ich bin eben ein Spielverderber…

Wie man beim beim Lesen von Teil 1 vielleicht vermuten könnte habe ich nicht die falsche Treibstoffsorte getankt (ha! hab ich euch in die Irre geführt!). Nene du: bedingt durch ein neues Auto (Auti!) musste ich mich im Frühjahr nach über 8 Jahren in dieser Hinsicht doch von Sorte A auf Sorte B umstellen und achte seit dem immer sehr genau darauf, was ich denn nun tanke.

Das problematische Schild an der Zapfsäule trug vielmehr die Aufschrift:

Kreditkartenzahlung zur Zeit leider nicht möglich”.

Das Wort “Kredit” war dabei nur mit dünnem Marker durchgestrichen, was man erst auf den zweiten Blick erkennen konnte. Deshalb dachte ich mir auf den ersten Blick auch nur “Na gut, dann eben heute mit EC- statt Kreditkarte”, habe dieses Missverständniss aber dann doch bemerkt.
Glücklicherweise gibt es aber auch im Jahre 2008 noch so ein prähistorisches Zahlungsmittel namens Banknoten (ihr wisst schon: diese Papierdinger mit den bunten Bildern und Zahlen drauf. Ach ihr habt sowas nicht? Keine Sorge: davon gibts auch Bilder im Internet zum Selbstausdrucken) und erstaunlicherweise führe ich sowas manchmal sogar mit mir. Allerdings weniger im schicken Aktenköfferchen, mit sauber gebündelten 500€-Scheinen (würde man an der Tanke ja sowieso nicht annehmen), sondern mehr in Form von sehr wenigen sehr kleinen Scheinen in meinem Portemonnaie. Also kurzen Kontrollblick in dieses Behältnis geworfen und festgestellt, dass ich damit nichtmal ein 3l-Auto (solls ja anscheinend geben) bis zur nächsten Tankstelle versorgen könnte. Sicher: ich könnte jetzt im Auto selbst nach Ostereier-mässig versteckten Münzen suchen und würde vielleicht sogar fündig werden, aber fürs Tanken würde es trotzdem nicht reichen.
Da ich bei solchen Überlegungen ganz allgemein nicht der schnellste[1] bin war mittlerweile der Tank auch schon so gut wie voll und der Betrag entsprechend (sagen wir mal so: im oberen zweistelligen Bereich).

Also? Was jetzt? Folgende Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf:

  1. Flüchten, sprich Benzinklau. Dank Kennzeichen etc. wird man mich natürlich erwischen (vielleicht sogar mit Verfolgungsjagd gleich hier auf der Autobahn?), aber bezahlen darf ich dann wohl vermutlich bequem per Banküberweisung (inklusive eines extra-Obulus wegen der Strafanzeige etc.)
  2. Betrag an der Tankstelle abarbeiten: sicher nicht so leicht angesichts meines begrenzten Zeitkontigentes, des geschätzten Stundenlohnes auf so einer Autobahnraststätte (wobei ich vielleicht als ToilettendameSanitärbereichpfleger ja immerhin hätte können etwas Trinkgeld zusätzlich kassieren) und der doch nicht gerade mickrigen Tankrechnung
  3. Biokraftstoff: ich stelle mich bzw. was so aus mir hervorgeht sofort zur Produktion von Bio-Gas, Bio-Diesel, Bio-wasauchimmer zur Verfügung und begleiche dadurch meine Schulden
  4. Ich gehe einfach mal rein und kläre das mit dem Mitarbeiter an der Kasse

Da ich nunmal ein kleiner Revoluzzer (!) bin fange ich beim Abarbeiten von Möglichkeiten öfter mal am Ende an (in diesem Fall: Nr. 4). Also bin ich frohen Mutes (nur gespielt, eh klar) in die Tankstelle marschiert und habe dem barschen freundlichen Mitarbeiter die Sachlage geschildert. Zwischen seinen ganzen Brummlauten wohlartikulierten Worten glaubte ich das Wörtchen “Versuchen” herauszuhören und so drückte ich ihm die Kreditkarte in die Hand. Tja. Hat natürlich prompt funktioniert, wie es sich für das 21. Jahrhundert so gehört.

Freudig habe ich den Mitarbeiter daraufhingewiesen, er könne nun ja die Schilder von den Zapfsäulen nehmen, weil dann jene Kunden, die nicht so blöd mutig sind wie ich und nicht genügend Bargeld dabei haben, auch mehr bzw. überhaupt erst tanken würden. Er war aber von meinem Vorschlag nicht so angetan. Sein lapidarer Kommentar “Wenns dann aber nicht funktioniert muss ich jedesmal so Papierkram ausfüllen”.
Aha. Klar. Nachvollziehbar. Logisch. Lieber während seiner Schicht den Umsatz der Tankstelle ordentlich einbrechen lassen, damit er auch ja nicht das Risiko besteht, gegebenenfalls etwas Schreibarbeit erledigen zu müssen.
Ich will jetzt ja nicht unterstellen, dass die Schilder nur zum Spass aufgehängt waren – aber am Umsatz beteiligt ist der Mann wohl mit Sicherheit nicht.

Übrigens habe ich durch diese Sache so nebenbei erfahren, dass man Zahlungsunfähigkeit an der Tankstelle wohl mit etwas Papierkram doch irgendwie geregelt kriegt. Lasse ich aber trotzdem besser nicht drauf ankommen: die damit wohl ziemlich sicher verbundene Identitätsfeststellung ist bei mir für gewöhnlich weit schwieriger als auf den ersten Blick vermutet. Aber dazu vielleicht ein andermal mehr…


[1] Muss man sich in etwa so vorstellen, dass ich mindestens die selbe Menge an Text, die ich hier für das Beschreiben benötige, auch beim live Erleben durch meinen Kopf gehen lasse.


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