Was am 1. Mai in SpiesserCity los war, hat mein Bild von diesem beschaulichen Städtchen wieder mal fast entrückt. Glücklicherweise noch lange nicht auf Hauptstadt-Niveau, aber für mich unbedarftes Landei doch recht beeindruckend.
Eigentlich hatte ich die ganze 1. Mai-Sache nicht wirklich ernst genommen: ein bisschen Biergarten/Grillfeststimmung bei der DGB-Kundgebung in der Stadtmitte und irgendwo ein paar Nazis, die ihre gerichtlich erkämpfte Demonstration abmarschieren.
Unsere Gesetzeshüter haben die Sache (glücklicherweise, wie ich später feststellen musste) nicht so auf die leichte Schulter genommen: die komplette Innenstadt war für den Verkehr gesperrt, endlose Massen von Polizisten in voller Kampfausrüstung passten auf und eine ganzes Heer von furchterregend bis martialischen aussehenden BFE‘lern liess einen entweder glauben in einem Computerspiel oder mitten im Krieg zu sein:

BFE: Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit
Und der erste Wasserwerfer stand dann auch keine 200m von mir zu Hause. *Schluck*
Die Stimmung war doch nicht ganz so schlimm. Weder von den Rechts- noch den Linksextremen war richtig was sehen. Erstere befanden sich wohl in einer Ecke des Hauptbahnhofes, wie man den aus der weiträumigen Absperrung und der Richtung der ”Nazis raus” Rufe der versammelten Menschenmenge erahnen konnte. Aber richtig was los schien nicht zu sein. Gut so.
Denkste!
Kaum hatte sich der NPD-Trott in Bewegung gesetzt ging es auch diesseits der Absperrungen richtig los. Unzählige Kiddies[1] in schwarzen Kapuzenpullovern inklusive Sonnenbrille und Vermummung (gabs da nicht mal ein Vermummungsverbot?) tauchten auf und wollten wohl einen auf dicke Hose machen. Polizisten wurden angepöbelt und beleidigt. Und es flogen auch Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper auf alles mögliche: Autos, Fensterscheiben, Polizisten bzw. Polizeipferde (!), Schaulustige, … Auf die Nazis anscheinend nicht: die waren einfach zu weit weg.
“Alerta, alerta, Antifa alerta!” Ja ne, is klar. Ich bin ja sowas von stolz auf euch, wie (auch) ihr gegen Nazis seid. Toll! Und jetzt? Einfach lächerlich. Kinder Kinder…
Wie auch immer.
Mir und meiner Schaulust hat es dann glücklicherweise gereicht: vorbei an brennenden Mülltonnen und dergleichen bin ich nach Hause. Dass kurze Zeit später Wasserwerfer, Reizgas und Schlagstöcke zum Einsatz kamen, habe ich glücklicherweise nur mehr aus den Medien erfahren.
Eines aber habe ich aus der Sache gelernt: falls es in SpiesserCity nochmal eine NPD-Demo geben wird bzw. ein Aufmarsch der linken Extremisten zu befürchten ist, werde ich ganz ganz weit weg sein. Und ich habe jetzt wieder mal ein praktisches Beispiel für die Metapher vom Teufel und dem Belzebub.
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[1] Ich gehe davon aus, dass es sich bei sowas einfach unmöglich um mündige Erwachsene handeln kann.